119 Billionen Möglichkeiten. Und welche Tour ist die richtige?
Beim Bäckerzukunftstag in Weinheim zeigte Dr. Christoph Oestreicher, warum eingespielte Liefertouren nicht immer die wirtschaftlichsten sind – und wie intelligente Planung Kilometer sparen kann.

Eine Backstube. 15 Filialen. Drei Lieferfahrzeuge.
Was zunächst nach einem überschaubaren Fuhrpark klingt, eröffnet rechnerisch eine kaum vorstellbare Zahl möglicher Tourenkombinationen: rund 119 Billionen.
Mit dieser Größenordnung machte Dr. Christoph Oestreicher beim Bäckerzukunftstag am 8. Oktober 2026 in Weinheim deutlich, weshalb sich eine wirtschaftliche Tourenplanung nicht immer allein mit Erfahrung und Ortskenntnis lösen lässt.
Denn selbst wenn Fahrer ihre Strecken seit Jahren kennen, bleibt eine entscheidende Frage: Gibt es eine bessere Kombination?
Das offizielle Programm des Bäckerzukunftstags (PDF, Bäckerinnungsverband Südwest) führt den Vortrag „KI Anwendung in der Tourenplanung“ um 15:30 Uhr.
Wenn aus wenigen Filialen Billionen Möglichkeiten werden
Die tägliche Filialbelieferung gehört für viele Bäckereien zum festen Betriebsablauf. Fahrer kennen ihre Stopps, Lieferzeiten sind eingespielt, und die Routen haben sich über Jahre bewährt.
Doch mit jeder zusätzlichen Filiale steigt die Anzahl möglicher Reihenfolgen und Fahrzeugzuordnungen drastisch an.
Schon bei 15 Filialen und drei Fahrzeugen ergeben sich unter vereinfachten mathematischen Annahmen rund 119 Billionen mögliche Kombinationen.
Alle Varianten manuell zu vergleichen, ist praktisch ausgeschlossen.
Genau hier setzt computergestützte Tourenoptimierung an.
Die beste Tour muss zum Betrieb passen
Beim Vortrag ging es allerdings nicht nur um große Zahlen.
Denn eine möglichst kurze Strecke ist nicht automatisch die beste Liefertour.
Die Backstube gibt den zeitlichen Rahmen vor. Manche Filialen benötigen ihre Ware besonders früh. Unterschiedliche Fahrzeugtypen, Belademengen, Versandwellen und Lieferzeitfenster müssen zusammenpassen.
Hinzu kommen Baustellen, Straßensperrungen und unterschiedliche Verkehrssituationen.
Tourenmeister berücksichtigt solche Anforderungen bei der Berechnung verschiedener Tourenvorschläge.
Die Verantwortlichen können anschließend vergleichen, welche Lösung am besten zu ihrem Betrieb passt.
Die Software berechnet die Möglichkeiten. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.
So kann beispielsweise eine etwas längere Tour sinnvoller sein, wenn wichtige Lieferfenster eingehalten werden. Umgekehrt kann bereits eine kleine Anpassung eines Lieferzeitfensters eine deutlich kürzere Route ermöglichen.
Ein Praxisbeispiel aus Schwäbisch Gmünd
Wie groß das Einsparpotenzial bei eingespielten Liefertouren sein kann, verdeutlichte eine Auswertung des Backparadies Berroth.
Der Betrieb beliefert elf Filialen und sechs weitere Lieferkunden mit drei Fahrzeugen.
Bei einem Vorher-Nachher-Vergleich nach einer Tourenumstellung ergab sich eine Reduzierung der gefahrenen Kilometer um 14,2 Prozent.
Das entspricht rund 45,9 Kilometern weniger pro Tag.
Auf Basis der zugrunde gelegten Verbrauchs- und Preisannahmen ergibt sich daraus rechnerisch ein Einsparpotenzial von rund 142 Litern Diesel und 231 Euro netto pro Monat.
Die Kilometerwerte stammen aus dem Vergleich der Fahrstrecken. Bei den Kraftstoff- und Kosteneinsparungen handelt es sich um kalkulierte Werte, nicht um tatsächlich gemessene Tankmengen.
Das Ergebnis zeigt, warum sich auch bei langjährig gefahrenen Touren ein genauer Vergleich lohnen kann.
Und was kostet die Optimierung?
Nach dem Vortrag ergaben sich einige lockere Gespräche mit Teilnehmern. Einzelne Besucher zeigten Interesse an den vorgestellten Möglichkeiten.
Eine Frage spielte dabei eine besondere Rolle: Was kostet das Ganze?
Denn neue Software muss nicht nur technisch überzeugen, sondern auch wirtschaftlich zum Betrieb passen.
Tourenmeister ist bereits ab 49 Euro netto pro Monat zuzüglich gesetzlicher Umsatzsteuer erhältlich.
Welcher Leistungsumfang zum jeweiligen Betrieb passt, hängt von dessen Anforderungen ab.
Wie viele Kilometer tatsächlich eingespart werden können, lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Dafür müssen die vorhandenen Touren mit möglichen Alternativen verglichen werden.
Ein neuer Blick auf bekannte Wege
Der Vortrag beim Bäckerzukunftstag zeigte, wie viel Mathematik hinter einer alltäglichen Aufgabe stecken kann.
Für Bäckereien steht dabei nicht die Technologie selbst im Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob die Filialen zuverlässig beliefert werden und sich unnötige Fahrstrecken vermeiden lassen.
Oder anders gesagt: Die Fahrer müssen nicht jede der 119 Billionen Möglichkeiten kennen.
Es genügt, wenn sich unter den berechneten Vorschlägen eine Tour findet, die besser zum Betrieb passt.
Die dargestellten Kundenergebnisse beruhen auf einem Vorher-Nachher-Vergleich. Kraftstoff- und Kosteneinsparungen sind kalkulierte Werte und stellen keine allgemeine Einspargarantie dar.
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